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Aus voller Kehl‘ und frischer Brust

„Der Troubadour“ von Guiseppe Verdi läutete das Opernfestival im Rahmen der Sommerkonzerte auf Schloss Amerang ein.

Ingo Kolonerics, der Regisseur und Intendant der veranstaltenden „Oper im Berg“ aus Salzburg, hat gut daran getan, diese Oper ganz minimalistisch zu inszenieren. Denn alles, was man da allzu wörtlich nimmt, unterstreicht nur das Krude an diesem Libretto, von dem schon der berühmte Tenor Leo Slezak bekannte: „Bei dieser Oper habe selbst ich keine Ahnung, was vorgeht!“ Und Wolfgang Körner schreibt in seinem humorigen „Einzig wahrer Opernführer“: „Jeder Schnittmusterbogen hat einen klareren Aufbau!“ Also keine Soldatenkämpfe, keine sichtbaren Nonnenchöre, keine Ambosse, auf denen Zigeuner Waffen schmieden, und kein loderndes Lagerfeuer, ja fast überhaupt keine Requisiten; nur das zwölf Meter hohe Bühnenbild von Hendrik Müller mit Palastsäulen und Blick in den Park mit Schachfiguren dominierte die Bühne, Lichtwechsel sorgten für ein bisschen Atmosphärenvariation. Dafür loderte das Feuer in den prachtvollen Stimmen: So konnten die Sänger aus voller Kehl‘ und frischer Brust loslegen, nicht gehindert von einer präpotenten Regie und auch nicht gedämpft vom jungen Dirigenten Waku Nakazawa. Der leitete höchst aufmerksam das 17-köpfige wachsam akzentuierende Orchester, das vorne unter der kleinen Bühne saß, aber sich auch unter die Arkaden und nach ganz hinten verteilte. Eigentlich möchte man nie mehr ein größeres Orchester hören, so transparent und plastisch agierte dieses Mini-Orchester. Und mit diesem hörte man, dass – neben dem unerschöpflichen Melos – hier vor allem die Rhythmik zum dramatischen Ausdrucksmittel wird. So manifestieren sich die Leidenschaften – Liebe, Hass, Rache, Muttertrieb und Kampfeslust – in den lodernden Rhythmen, vom Dirigenten in vorantreibende, oftmals jagende Tempi gefasst. Und man hörte, dass auch Walzerrhythmen dunkeldrohend klingen können. Die Sänger gruppierten sich zu einem wahren Sängerfest auf der Amerang-Burg. Selten hört man ein Ensemble von so gleichem hohem Niveau. Nur flehte man zwischendurch nach einem eindringlichen Piano. Der Renaissancehof und die kleinere Orchesterbesetzung hätten dies ja durchaus ermöglicht. Nejat Isik Belen gab dem Ferrando mit tiefschwarz-prägnanten Bass Erzählerpotenz und zeigte kraftvoll unbeirrbare Treue zu seinem Herren, dem Grafen Luna. Der war eine wahre Entdeckung: Tae-Young Lee besitzt einen edel-männlichen, ja ritterlichen Bariton mit stählerner Durchschlagskraft, der am Ende aber auch zärtlichere, leidendere Töne anstimmen kann. Als Manrico begeisterte Paolo Lardizzone mit einem strahlkräftigen und metallen glänzenden Tenor mit scheinbar unerschöpflicher Sangeskraft und –lust, der an die Stimme von Franco Corelli erinnert. Seine berühmte Cabaletta „Di quella pira“ schleuderte er mit höchster Kampfeswut heraus. Die weizenblonde Elena Kononenka gab die Gräfin Leonore. Schnell hörte man über das flackernde Vibrato und das etwas gaumige Tim bre hinweg und berauschte sich an dem leidenschaftserfüllten und großbogig singenden Sopran dieser blondhellen Figur, der die Regie auch noch ein wunderschönes Kleid verliehen hatte. So war bald klar, warum sich zwei Heroen in diese Frau und diese Stimme verlieben können. Am Ende bewies sie mit intensiven Piani, dass eine dynamische Differenzierung dramatische Spannung erzeugen kann. Ozge Kalelioglu verkörperte mit wahnhaft aufgerissenen Augen und dunkelloderndem hochdramatischen Alt die Zigeunerin Azucena, die das Geschehen initiiert und am Schluss den Tod fast aller Protagonisten herbeiführt. Selbst die kleinen Chöre und die Nebenfiguren waren hervorragend besetzt mit der süßen Dilay Girgin als Ines, dem eifrigen Masanari Sasaki als Ruiz und dem echten Mannsbild Jonathan Story als Zigeuner. Die Zuhörer im ausverkauften Schlosshof spendeten häufigen Szenenapplaus und überschütteten am Ende die Sänger mit langem und heftigem, von Bravo-Rufen durchzogenen Beifall.

 

Rainer W. Janka (OVB 26.07.2016)

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