09.07.10 15:45 Alter: 60 days

Erste Musik-Sommernächte auf Schloss Amerang

 

„Perlen der Klassik in lauer Nacht" - dieser Titel der Kritik im Oberbayerischen Volksblatt zum Opernabend auf Schloss Amerang könnte auch programmatisch über allen Veranstaltungen stehen, die bei den 45. Sommerkonzerten noch bis zum 29. August auf dem Programm stehen. Die Nächte am ersten Wochenende waren jedenfalls wunderbar sommerlich lau und die Perlenkette der ganz unterschiedlichen Musik begeisterte das Publikum.

Begonnen hat der Konzertreigen am 2. Juli mit dem beliebten Ensemble Tobi Reiser, das mit seiner typischen Mischung aus volksmusikalischen und klassischen Musikelementen seit Jahren eine treue Zuhörerschaft hat. Für das nächste Jahr kündigte Veranstalter Ortholf von Crailsheim allerdings eine Neuerung an: Ein Walzer-Programm wird das Ensemble Tobi Reiser 2011 auf Schloss Amerang spielen.

Der Opernabend mit Mitgliedern des Gärtnerplatztheaters München war „schillernd, bunt und auf höchstem Niveau", Zitat der OVB-Kritikerin. Arien und Duette von Mozart, Puccini, Wagner, Händel, Verdi, Offenbach und Bizet erklangen stimmgewaltig im festlich illuminierten Renaissance-Arkadenhof. Pianist Andreas Lübke erleichterte den Zuhörern mit seiner erklärenden Moderation den Zugang zu den Werken. Sopranistin Katharina Leitgeb, die auch optisch mit drei Kleiderwechseln für Begeisterung sorgte, und die drei Männer an ihrer Seite waren ein Ohrenschmaus: Countertenor Thomas Diestler, Tenor Wolfgang Schwaninger und Bariton Gary Martin.

Eine ganz andere Stimmfarbe brachte die temperamentvolle Jazz-Queen Jocelyn B. Smith mit ihrer „schlagkräftigen" Band nach Schloss Amerang: Sie groovte was das Zeug hielt, gab ungeheuer Gas (manchem wurde es gar zu laut) und forderte das Publikum auf, die Schuhe auszuziehen: Lasst Eure Zehen frei und tanzt! Da war kein Halten mehr auf dem Kopfsteinpflaster des Schlosshofs.

Ruhiger dann der Montag - ein Ausnahmetag, der sonst eigentlich spielfrei ist. Aber Schlossherr Ortholf Freiherr von Crailsheim gefiel die Kombination der beiden Musiker so gut, dass er sie unbedingt noch im Programm haben wollte: Die Rede ist vom charismatischen Quadro-Nuevo-Saxophonisten Mulo Francel und der Organistin Nicole Heartseeker, die sonst im Ensemble Clemente Cembalo spielt (10. Juli auf Schloss Amerang!). Dieses ungewöhnliche Duo befruchtet sich wunderbar: Die anmutige Musikerin gestand, dass sie dank des weit gereisten Mulo aus dem doch etwas engen Bach-Kirchen-Kosmos herauskommt und wunderbare Klänge ferner Länder kennenlernt. Zur Freude des Publikums! So hat man Erik Saties „Gymnastikübungen", die „Gymnopédies", noch nie gehört, Henry Purcells Arie der Dido, „Remember me" aus „Dido und Aeneas", hat noch nie so jazzig geklungen, und Felix Mendelssohn-Bartholdy hätte sich gewundert, wie er im Zusammenspiel mit dem „Tango magnétique" klingt. Ein perfekter Abend zweier virtuoser Musiker, der mit „Moonlight über Amerang" romantisch ausklang.

 

 

Die weiteren Highlights, für die es noch Karten gibt

Am Sonntag, 18. Juli, gibt es zur Matinee-Stunde um 11 Uhr ein Wiedersehen mit den Salzburger Mozartsolisten: „Leichte Klassik" und dazu ein leichtes Frühstück vom Ameranger Glockenwirt, der traditionell im Schloss serviert. Nach dem traditionellen Gastspiel der American Drama Group, die diesmal Shakespeares „Othello" in englischer Sprache zeigt (21. Juli), kommt das brillante Ensemble JuNo zum zweiten Mal ins Schloss Amerang (23. Juli): Wer die spielfreudigen Musiker im letzten Jahr erlebt hat, der gibt diesen Geheimtipp der Extra-Klasse gern weiter! Eine geniale Musikmischung aus Tango, Klezmer, Barock und Weltmusik erwartet den Zuhörer. Am Samstag, 24. Juli, bringt das Ruperti Quartett zusammen mit dem Sulzberger Dreigesang eine „Sommerserenade" in den Schlosshof. Das Wochenende klingt mit „Erlesenen Klängen wie einst bei Hofe", gespielt vom Convivium musicum, aus.

Am Freitag, 30. Juli, wird es bayerisch mit Herzog Saiten- und Flötenmusik, Jungstreich Geigenmusik, Kolbmühler Zwoagsang, Sagschneider Malan und Bert Lindauer. Danach beherrschen Vivaldi- und Mozart-Klänge den festlich illuminierten Renaissance-Arkadenhof: Das Vivaldi Orchester nimmt sein Publikum am 31. Juli auf eine „Saitenreise" mit und das Mozart Concertino auf einen „Romantischen Spaziergang durch den barocken Streicherklang" (1. August).

Am Samstag, 7. August, erlebt die Landshuter Hochzeit von 1475 Wiederauferstehung mit der Landshuter Hofkapelle, und am Sonntag spielt das „Aurum Ensemble" barocke Kostbarkeiten mit Werken von Bach, Vivaldi und Platti.

Nach dem nunmehr 6. Ritter-Fest auf dem gesamten Schlossgelände (13.-15. August) mit zahlreichen Mittelalter-Bands, großem Handwerker-Markt, authentischem Ritterlagerleben und nostalgischem Kinderprogramm, folgen noch zwei Konzert-Wochenenden: „Tangogeschichten", d. h. Musik, Theaterszenen und Anekdoten, bringen Las Sombras am 20. August in den Schloss-Innenhof. Boogie-Woogie-Legende Axel Zwingenberger ist erstmals im Zusammenspiel mit der faszinierenden Sängerin Lila Ammons (21. August) zu hören, und die Salzburger Mozartsolisten verzaubern den Abend des 22. August mit Mozarts kleiner und großer Nachtmusik für Streicher und Bläser.

Endspurt schließlich mit der Fraunhofer Saitenmusik am 27. August, mit dem Philharmonia Quartett Berlin und mit Faun, den Stars der Mittelalterszene, die Stücke aus ihrem neuen „Buch der Balladen" spielen werden. Hinter dem Philharmonia Quartett verbergen sich die Pultsolisten der Berliner Philharmoniker - ein Konzertabend mit Stern also, d. h. hier kosten die Karten nicht 22, 25 und 30 Euro, sondern 29, 33 und 38 Euro.

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