19.07.12 10:27 Alter: 310 days

"Ehrenamt ist unbezahlbar" Festabend des Bauernverbandes

 

Die regionale Landwirtschaft sprach auf Schloss Amerang über sich und die Zukunft

Ehrenamtliches Engagement ist keine Selbstverständlichkeit, zumal nicht über 15, 20, 25 oder gar 30 Jahre hinweg. Entsprechend würdigte der Kreisverband Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) seine langjährigen Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner bei einem stimmungsvollen Festabend. Zur gelungenen Atmosphäre der Veranstaltung, bei der die Ehrungen breiten Raum einnahmen, trugen insbesondere das stimmungsvolle Ambiente von Schloss Amerang sowie die "Rosenheimer Tanzlmusi" bei.

Unter Applaus verabschiedete Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger (rechts) die stellvertretende Kreisbäuerin Anneliese Riepertinger, die dieses Amt 15 Jahre lang bekleidet hatte. Den Dank im Namen des Bezirks überbrachte Bezirksbäuerin Christine Singer.

"Wir Bauern, wir sind wer!", konstatierte der neugewählte BBV-Bezirkspräsident Anton Kreitmair gleich zu Beginn seiner Festrede, bei der er ausdrücklich auf agrarpolitische Einlassungen verzichtete. Allerdings müsse das Selbstverständnis des Bauernstandes als "Mitgestalter unserer Zukunft" und als Lebensmittelproduzent künftig wieder stärker herausgestellt werden und das Miteinander für alle sichtbar gelebt werden. Denn "die Gesellschaft nimmt uns nicht wahr". Dabei bilde gerade der bäuerliche Stand, und hier vornehmlich die Landfrauen, das Rückgrat der dörflichen Gemeinschaft. "Es zeigt sich immer wieder: Sie halten das Dorf zusammen." Und der Bauernverband habe es dort, an der Basis, selbst in der Hand, sich als demokratisch strukturierte Organisation einzubringen.

Mehrfach rief Kreitmair die Mitglieder auf, sich auf kommunaler Ebene, beispielsweise im Gemeinderat, im Pfarrgemeinderat oder in Vereinen, zu engagieren und bei Veranstaltungen Präsenz zu zeigen, um den Bezug zu den Menschen nicht zu verlieren. Denn nur ein starkes Miteinander liefere letztlich den Schlüssel zu Lebensqualität. Zugleich ermutigte er die Bauern, Diskussionen anzustoßen und ihre Meinung kund zu tun.

Als eine der vorrangigen Aufgaben des BBV angesichts der Herausforderungen durch die zunehmende Spezialisierung auf dem landwirtschaftlichen Sektor erachtet die 49-Jährige aus dem Landkreis Dachau die verstärkte zielgruppenorientierte Bündelung von Interessen und Meinungen in Arbeitsgruppen. Nachholbedarf gebe es aber auch beim Umgang mit der Generationenfrage, wobei er nicht nur dem Altenteil "enorme Bedeutung" beimisst. Auch müssten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen als die nachrückende Generation künftig stärker eingebunden werden. Mit klaren Worten mahnte der dreifache Familienvater genügend Freiräume für die jungen Menschen an, damit diese neue Ideen entwickeln und umsetzen könnten.

"Ehrenamt ist unbezahlbar", zollte Amerangs Bürgermeister August Voit den geehrten Ortsbäuerinnen und Ortsobmännern seinen Respekt; auch seine Wurzeln liegen in der Landwirtschaft. Umso mehr, betonte er in seinem Grußwort, sei auch ihm in seiner Funktion als Gemeindechef der Erhalt des landwirtschaftlichen Eigentums ein großes Anliegen.

Ein besonderer Dank der "Gastgeber", Kreisobmann Josef Bodmaier und Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger, ging an den Hausherrn von Schloss Amerang, Baron Ortholf von Crailsheim. In einem kurzen rednerischen Streifzug führte der die Festgäste - darunter Bezirksbäuerin Christine Singer aus Garmisch-Partenkirchen - über sein rund 400 Hektar großes Anwesen, auf dem die Landwirtschaft dank der vor zwei Jahren aufgenommenen Pferdezucht heute wieder eine zentrale Rolle spiele.